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Halloween im Eichsfeld: Kürbis, Kirche und ein lutherischer Feiertag

· 5 min Lesezeit

Halloween im Eichsfeld: Kürbis, Kirche und ein lutherischer Feiertag

Geschnitzter Halloween Kürbis vor einer Haustür
Kürbis: geschnitzt von meiner Tochter

Wenn Ende Oktober die ersten Kürbisfratzen vor den Haustüren in Leinefelde, Dingelstädt oder Teistungen stehen, gibt es zwei Lager. Die einen sagen, das ist doch amerikanischer Kram. Die anderen haben das Kostüm schon seit August im Schrank. Beide haben ein bisschen recht, und die Geschichte dahinter ist deutlich älter und katholischer, als viele denken.

Die Kelten waren zuerst da

Vor mehr als 2.000 Jahren feierten die Kelten in Irland und Britannien Samhain. Die Ernte war eingefahren, der Winter kam, und in dieser Nacht galt die Grenze zwischen Lebenden und Toten als durchlässig. Feuer wurden entzündet, Masken getragen, damit die Geister einen nicht erkennen. Wer sich heute verkleidet, macht im Grunde dasselbe, nur mit besserem Make up.

Dann kam die Kirche

Im 8. Jahrhundert weihte Papst Gregor III. in Rom eine Kapelle allen Heiligen, im 9. Jahrhundert setzte Gregor IV. Allerheiligen für die ganze Kirche auf den 1. November. Der Abend davor hieß auf Englisch „All Hallows’ Eve“, verkürzt Halloween. Am 2. November folgt Allerseelen, das Gedenken an die Verstorbenen. Wer im Eichsfeld aufgewachsen ist, kennt das von den Gräbersegnungen auf den Friedhöfen.

Auch das Klingeln an der Haustür hat kirchliche Wurzeln. In England und Irland zogen arme Leute und Kinder an Allerseelen von Haus zu Haus, beteten für die Toten der Familie und bekamen dafür sogenannte Soul Cakes. Heute gibt es Gummibärchen statt Gebet. Der Deal ist geblieben.

Über Amerika zurück zu uns

Im 19. Jahrhundert wanderten Millionen Iren nach Amerika aus und nahmen den Brauch mit. Zu Hause hatten sie Rüben ausgehöhlt, in Amerika gab es Kürbisse, die waren größer und leichter zu schnitzen. So entstand der Jack O’Lantern, den heute jeder kennt.

Nach Deutschland kam Halloween in großem Stil erst Anfang der 90er. 1991 fiel der Straßenkarneval wegen des Golfkriegs vielerorts aus, und die Kostüm und Partybranche saß auf vollen Lagern. Halloween kam da gerade recht. Ganz ehrlich ist also auch eine gute Portion Marketing dabei.

Luther, mitten im Eichsfeld

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine Thesen veröffentlicht haben. Deshalb ist der Reformationstag in Thüringen gesetzlicher Feiertag, auch im Eichsfeld, wo man sonst eher Prozession als Protestantismus macht. Allerheiligen am 1. November dagegen ist hier kein Feiertag. Das katholische Eichsfeld hat also frei wegen Luther und muss an Allerheiligen arbeiten. Dieses Jahr fällt der 31. ohnehin auf einen Samstag, Luther hat 2026 also nicht viel zu verschenken.

Warum es trotzdem funktioniert

Gast im Horrorclown Kostüm auf der Halloweenparty im Glashaus Worbis
Foto: Graphics Photo & Videographer, Glashaus Worbis 2025

Für Kinder ist Halloween schnell erklärt. Verkleiden, im Dunkeln durchs Dorf ziehen, klingeln, Süßes abstauben. Mehr braucht es nicht. Für Erwachsene ist es die Gelegenheit, für einen Abend jemand anderes zu sein, ohne dass man bis Februar auf den Karneval warten muss. Und für Clubs, Vereine und Gastronomen ist es ein Wochenende mehr im Jahr, an dem die Leute rausgehen.

Was im Eichsfeld zu Halloween los ist

Glashaus Worbis, zweimal an einem Abend (Sa 31.10.)

Volle Tanzfläche mit Halloween Deko im Glashaus Worbis
Foto: Graphics Photo & Videographer, Glashaus Worbis 2025

Das Glashaus macht Halloween in zwei Schichten. Zuerst sind die Jüngeren dran: Eichsfelds große Halloween Teenieparty für alle von 11 bis 16 Jahren, ohne Alkohol, mit Kostümwahl, Candy Bar mit gratis Süßigkeiten und Konfetti Show. Die VR Bank Mitte gibt 50 Prozent auf die Tickets, ein Altersnachweis muss mit.

Sind die Kids abgeholt, übernehmen die Großen. Die XXL Halloweenparty läuft auf drei Floors. Im Main Floor gibt es EDM, Charts, Techno und 90er bis 2000er, im Tempel Hardtekk, Techno und Hardstyle, im Havana Partyhits von den 90ern bis in die 2010er. Tickets gibt es im Vorverkauf für 8,90 Euro, ab 16 mit Partyzettel. Kostümpflicht gibt es bei beiden Partys nicht, aber wer am Samstag ohne Kostüm im Glashaus steht, fällt mehr auf als mit.

Das Kruselhaus in Haynrode

Halloween geschmücktes Kruselhaus in Haynrode mit Kindern vor dem Tor
Foto: Familie Kruse, Haynrode

Hier feiert kein Verein und kein Club, sondern eine Familie. Die hängt ein Spinnennetz über die halbe Fassade, setzt Geister in die Fenster, projiziert die Begrüßung an die Hauswand und stellt einen Engel mit ausgebreiteten Flügeln vor die Haustür. Über dem Eingang hängt das Schild „Haunted Party“. Wer im letzten Jahr vorbeikam, weiß, dass sich vor dem Gartentor schnell eine Traube aus kleinen Hexen, Skeletten und Clowns bildet. Mehr Halloween geht im Eichsfeld auf einem einzelnen Grundstück kaum.

KKC Tastungen, zwei Tage Halloween (Fr 30.10. und Sa 31.10.)

Der KKC startet schon am Freitag mit dem Kinder Halloween in der Dorfstraße 17. Musik, Spiele, Essen und Getränke, dazu eine Kostümprämierung. Kinder haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen 2 Euro. Am Samstag geht es für die Großen weiter mit der Mottoparty „Nacht der Doppelgänger“. Wer also schon immer mal jemand anderes sein wollte, hat in Tastungen die passende Ausrede.

Halloween im Bärenpark Worbis (Sa 31.10.)

Im Alternativen Bärenpark geht es gemütlicher zu. Kürbisse schnitzen, Mitmachaktionen, Grill und Kürbissuppe, später eine Gruselführung im Dämmerlicht. Kostümierte Kinder bis 15 Jahre haben freien Eintritt. Für die Führung muss man sich bis zum 25. Oktober anmelden.

Halloween Survival an der Burg Gleichenstein (Sa 31.10.)

Für alle, denen ein Kostüm zu wenig ist. Bei Wachstedt geht es raus in die Dunkelheit, mit praktischen Survival Aufgaben statt Gruselshow. 159 Euro für Erwachsene, 139 Euro für Schüler ab 15. Tickets gibt es nur im Vorverkauf.

Ob man das jetzt amerikanisch findet oder nicht, ein Brauch mit keltischen Wurzeln, katholischem Namen und irischem Kürbis passt eigentlich ganz gut in eine Region, die Traditionen ernst nimmt und trotzdem gern feiert. Alle Termine stehen wie immer im Eventkalender.

Mit dem Blick fürs Eichsfeld
Gruß Dario