Events & Nachberichte

Nature Love Geisleden

· 8 min Lesezeit

Nature Love Geisleden: Wie aus drei DJs und einer Betonbühne von 1967 ein Kulturprojekt wird

Am 13. Juni 2026 steigt im Kirchloh in Geisleden zum ersten Mal das Nature Love. Eine Open Air Disco mitten im Wald, mit Küche 80 und Royal Black als Headlinern. Doch dahinter steckt mehr als eine Party. Wir haben mit Benjamin Hartung von der Kulturinitiative Geisleden gesprochen, über einen besonderen Ort, eine selbstgebaute Bühne und die Frage, wie viel man aus Eigeninitiative im Dorf eigentlich bewegen kann.

Benjamin, wer steckt hinter der Kulturinitiative Geisleden und wie seid ihr zusammengekommen?

Hinter der Initiative stehen aktuell Stefan Kühn, Manuel Hartung, Christoph Arand und ich. Ganz offiziell sind wir noch kein Verein, wir arbeiten gerade daran, eine gemeinnützige UG auf den Weg zu bringen. Das ist heute mit einigen bürokratischen Hürden verbunden, aber die Prozesse laufen. Der Ursprung liegt in einem besonderen Ort hier in Geisleden, dem Kirchloh. Dort gibt es ein schönes Fleckchen Erde mit einem Haus und einer kleinen Betonbühne, die schon seit 1967 besteht. Durch die Renovierung ist dieser Platz wieder stärker in den Vordergrund gerückt und wir haben gemerkt, daraus kann man etwas für den ganzen Ort machen. Drei von uns sind DJs und wollten ursprünglich einfach im kleinen Rahmen für Freunde auflegen. Aus dieser Idee ist Schritt für Schritt der Gedanke entstanden, etwas Größeres und Nachhaltiges zu schaffen.

Wie kam es dann zu Nature Love und warum gerade jetzt der Schritt zur eigenen Veranstaltung?

Da wir drei DJs im Team haben und zum ersten Mal gemeinsam etwas Eigenes planen, war schnell klar, die erste Veranstaltung muss eine Disco werden. Musikalisch wollten wir bewusst in Richtung Oldschool House gehen, das passt gut zu uns und schafft eine besondere Atmosphäre. Dazu kam die Idee, das Ganze mit Oldschool Hip-Hop zu ergänzen, daraus ist auch das Line Up mit Küche 80 und Royal Black entstanden. Uns war aber wichtig, dass Nature Love nicht nur eine einmalige Party wird, sondern dass direkt etwas Bleibendes entsteht. Deshalb haben wir innerhalb von zwei Monaten eine Bühne mit rund 25 Quadratmetern gebaut. Die ist für uns das erste richtige Projekt der Initiative. Sie lässt sich eigenständig nutzen, kann aber auch umgebaut und künftig als Dach für die alte Betonbühne verwendet werden.

Die Waldbühne ist als Location ungewöhnlich. Was macht den Ort für euch besonders?

Die Waldbühne im Kirchloh liegt mitten in der Natur und lässt sich trotzdem richtig vielseitig nutzen, genau diese Kombination macht sie einzigartig. Eine Bühne, eingebettet in den Wald, mit einer Atmosphäre, die man so nicht überall findet. Mit den 25 Quadratmetern ist sie auch für größere Formate geeignet. Da können nicht nur DJs oder kleinere Bands auftreten, sondern auch Konzertgruppen, Blaskapellen oder sogar Tanz- und Ballettaufführungen. Man hat eben nicht nur eine Fläche für Veranstaltungen, sondern eine besondere Bühne in einer besonderen Umgebung. Das gibt jedem Abend automatisch einen eigenen Charakter.

Und der Name?

Nature Love steht für die Verbindung aus Natur, Musik und Gemeinschaft. Der Name passt einfach zu diesem Ort mitten im Wald und zu dem Gefühl, das wir dort schaffen wollen. Draußen zusammenkommen, Musik erleben, den Moment genießen und den Ort bewusst wahrnehmen. Für uns ist das nicht nur ein Veranstaltungsname, sondern beschreibt auch die Atmosphäre, die wir uns für den Abend wünschen.

Ihr werbt mit Waldbeleuchtung, Outdoor Stage, Lasershow und Getränkepreisen wie in den 2000ern. Was war euch beim Konzept am wichtigsten?

Dass Nature Love mehr wird als eine normale Party. Wir wollten den Ort komplett einbeziehen, der Wald soll nicht nur Kulisse sein, sondern Teil der Veranstaltung werden, mit Licht, Lounge Bereichen und der Bühne mittendrin. Genauso wichtig ist uns, dass die Gäste nicht das Gefühl haben, abgezockt zu werden. Es soll erschwinglich bleiben, deshalb passt der Gedanke mit den Getränkepreisen wie in den 2000ern gut zu uns. Praktisch soll es auch funktionieren, Parkplätze und Toiletten sind nicht weit, die Wege bleiben kurz und selbst bei schlechtem Wetter findet alles im Trockenen statt.

Ihr habt ein breites Line Up. Wie seid ihr ausgerechnet auf Küche 80 als Headliner gekommen?

Musikalisch orientiert sich Nature Love vor allem an den 2000ern, eine Mischung aus Hip-Hop, House und elektronischen Sounds. Küche 80 passt dafür perfekt, das Duo ist deutschlandweit bekannt und bringt genau diesen Oldschool Vibe mit, den wir wollten. Ergänzt wird das durch Royal Black im Oldschool Hip-Hop sowie Felix Klein und DJ Edschnippelo, die in eine ähnliche Richtung gehen, aber jeweils ihren eigenen Stil mitbringen. Dazu kommt Neon Wise als Newcomer, der mit Techno noch mal eine andere Energie auf den Floor bringt. So entsteht ein Line Up, das abwechslungsreich ist und trotzdem zusammenpasst.

Ihr schreibt für jung und alt. Wie bringt man verschiedene Altersgruppen auf einem Open Air zusammen?

Über eine Mischung aus Musik, Atmosphäre und einem Konzept, das nicht nur eine Zielgruppe anspricht. Die 2000er, Oldschool House und Hip-Hop verbinden viele Generationen, die einen haben die Zeit bewusst erlebt, die anderen feiern den Sound heute neu. Und Nature Love besteht nicht nur aus einem Dancefloor. Durch Lounge Bereiche, Beleuchtung, die Waldatmosphäre und faire Preise wollen wir einen Rahmen schaffen, in dem man sich auch wohlfühlt, wenn man nicht die ganze Zeit vor der Bühne steht. Jung und Alt sollen gemeinsam einen schönen Abend haben, jeder auf seine Art, aber alle am selben Ort.

Welche Botschaft wollt ihr transportieren?

Dass man gemeinsam etwas für den Ort bewegen kann und dabei trotzdem Spaß hat. Es geht um Natur, Musik und Gemeinschaft, aber auch darum, dass aus einer Veranstaltung ein echter Mehrwert für Geisleden entsteht. Wir wollen zeigen, dass Engagement im Dorf nicht verstaubt sein muss. Kultur kann modern, offen und lebendig sein. Wenn Menschen zusammenkommen, feiern und gleichzeitig ein gemeinnütziger Gedanke dahintersteht, entsteht etwas, das über einen einzelnen Abend hinausgeht.

Open Air im Wald heißt Genehmigungen, Auflagen, Logistik. Was war bisher die größte Hürde?

Die Kombination aus neuer Location, Open Air Planung und den ganzen organisatorischen Anforderungen. Da hängen viele Dinge zusammen, Genehmigungen, Auflagen, Sicherheit, Logistik, Wetter, Toiletten, Parkplätze und der Schutz der Umgebung. Wir wissen, dass solche Regeln wichtig sind. Gleichzeitig merkt man, dass es nicht immer einfach ist, wenn man aus Eigeninitiative etwas für den Ort aufbauen möchte. Man muss viel klären, abstimmen und vorbereiten. Trotzdem setzen wir alles so sauber und verantwortungsvoll wie möglich um, damit die Gäste einen guten Abend haben und der Ort langfristig profitiert.

Erste Auflage, neue Location, Initiative im Aufbau. Wo lag das größte Risiko?

Dass vieles gleichzeitig neu ist, die erste Veranstaltung in dieser Form, die neue Bühne, die Location im Wald und die Initiative, die sich noch im Aufbau befindet. Dazu kommt, dass wir gemeinnützig denken und nicht einfach nur eine Party veranstalten wollen. Gerade deshalb war es uns wichtig, direkt etwas Bleibendes zu schaffen. Die Bühne ist nicht nur Teil von Nature Love, sondern das erste konkrete Projekt der Initiative. Und natürlich bleibt bei einem Open Air das Wetter ein Thema, aber auch dafür haben wir geplant.

Was wäre nach dem 13. Juni ein gelungener Abend?

Wenn die Gäste zufrieden nach Hause gehen, wenn Jung und Alt gemeinsam gefeiert haben und man merkt, dass der Kirchloh wirklich angenommen wird. Wenn die Stimmung passt, alles friedlich und gut organisiert abläuft und die Leute sagen, so etwas darf es in Geisleden gerne wieder geben. Und natürlich wäre es schön, wenn ein Budget entsteht, mit dem wir die nächsten Projekte im Ort vorantreiben können.

Einmalige Sache oder soll daraus etwas Festes werden?

Ganz klar mehr als einmalig. Wir wünschen uns, dass daraus etwas entsteht, das langfristig Bestand hat, nicht nur als Disco, sondern als Teil eines größeren kulturellen Angebots in Geisleden und der Region. An der Waldbühne sollen künftig viele Formate möglich sein, Musik, Open Air Kino, Blasmusik, kirchliche Formate, Tanz, Kultur und vielleicht ganz neue Ideen. Wenn die Initiative weiter wächst und genug Unterstützung bekommt, kann der Ort ein fester Treffpunkt für verschiedene Generationen werden.

Und langfristig für das kulturelle Leben im Eichsfeld?

Dass kulturelles Engagement unterstützt wird und Menschen, die etwas bewegen wollen, nicht zu viele Steine in den Weg gelegt bekommen. Regeln und Auflagen sind wichtig, aber gute Ideen für die Region sollten auch möglich gemacht werden. Wir wünschen uns mehr Orte und Formate, an denen Jung und Alt zusammenkommen, unkompliziert, bezahlbar und mit echtem Gemeinschaftsgefühl. Für Geisleden hoffen wir, dass die Waldbühne ein Ort wird, an dem immer wieder neue Projekte entstehen.


Nature Love Geisleden
Waldbühne Geisleden, Kirchloh
Samstag, 13. Juni 2026
Einlass 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr
Line Up: Küche 80, Royal Black, Felix Klein, DJ Edschnippelo, Neon Wise

Mit dem Blick fürs Eichsfeld