Sirtaki statt Schnitzel: Was aus dem Hahletal in Gerblingerode geworden ist
Manche Häuser tragen ihre Geschichte wie eine zweite Fassade. Das Hahletal in Gerblingerode war so ein Haus. Wer im Eichsfeld aufgewachsen ist, hat dort mit ziemlicher Sicherheit schon mal an einer langen Tafel gesessen, bei einer Familienfeier, einem Jubiläum, einer Hochzeit. Ich selbst war einige Male da und habe mich immer wohl gefühlt. Ehrlich gesagt hat mich außerhalb dieser Anlässe aber nie etwas dorthin gezogen. Vielleicht liegt es daran, dass gut bürgerliche Küche genau das ist, was ich von zuhause kenne. Da fehlt dann irgendwann die Sehnsucht.
Als die ersten Gerüchte über einen griechischen Nachfolger die Runde machten, war ich von der ersten Sekunde an begeistert. Man kann jetzt natürlich den konservativen Einwand einwerfen, dass sich schon wieder ein Traditionshaus mit deutscher Küche verabschiedet. Geschenkt. Ein Gebäude, das leer steht, erzählt auch keine Geschichte mehr.
Tag und Nacht gearbeitet
Was mich wirklich beeindruckt hat, war der Umbau. Da wurde buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet, über Wochen. Das war kein schneller Gastrowechsel nach dem Motto neues Schild, alte Substanz, sondern der ernsthafte Versuch, sich komplett neu zu erfinden. Als dann zur Eröffnung die ersten Bilder und Videos durch die Timelines liefen, war die Neugier groß. Man fragt sich schon, wie man so etwas aus einem alten Objekt herausholt und wie viel Liebe im Detail da drinsteckt.
Man kann das teilweise als kitschig empfinden oder als einen Tick zu viel. Blaue Wände, Steinoptik, goldene Zierleisten, ein Argo Relief im Gastraum. Aber genau das ist ja der Punkt: Es trifft ziemlich exakt das Bild, das man in Deutschland vom griechischen Restaurant im Kopf hat. Und das ist eher Kompliment als Kritik.
Der erste eigene Besuch
Nach dem ersten wilden Ansturm war ich am Dienstag zum ersten Mal selbst da. Mittagszeit, bester Sonnenschein. Empfangen wurde man freundlich, mit einem Lächeln und guter Laune, und der Platz war sofort organisiert. Wir haben uns bewusst für draußen entschieden, obwohl es bei der Uhrzeit und den Temperaturen drinnen deutlich angenehmer gewesen wäre. Aber so what, den deutschen Sommer muss man auch mal mit voller Würze spüren.
Zu dem Zeitpunkt waren drinnen und draußen bestimmt schon zehn Tische belegt, ohne dass es den Eindruck machte, das Haus sei überlaufen. Die Karten kamen schnell und dazu gleich eine Karaffe mit ordentlich Ouzo. Ein wilder Einstieg, den ich so bisher noch nicht kannte, aber definitiv eine Ansage.
Essen und Trinken
Ich habe mich neben einer Flasche Wasser für den Hauswein entschieden, einen fruchtigen trockenen Weißwein. Sehr schmackhaft und gut zum Essen passend. Für meinen Geschmack hätte er zwei bis drei Grad kühler sein können, aber da scheiden sich bekanntlich die Geister.
Als Vorspeise gab es gebackenen Feta mit Weißbrot. Geschmacklich genau ins Schwarze getroffen, bei dem Wetter für mich vielleicht schon einen Hauch zu deftig. Aber so ist es halt: Man entscheidet sich am Ende doch fürs Herzhafte. Das Timing stimmte, die Vorspeise kam perfekt abgestimmt, die Getränke waren ebenfalls zügig da.
Hauptgang war bei mir das Gyros Special, überbacken in Metaxa Soße. Meine Zunge hat einen wilden Sirtaki getanzt und mich gedanklich direkt an die Akropolis gezaubert. Dazu Reis mit Erbsen und ein kleiner Salat mit Hausdressing. Das ist keine Sterneküche und will es auch nicht sein. Es ist genau das, wofür man in einen Griechen geht, und es ist gut gemacht.
Was noch Luft nach oben hat
Drei Punkte sind mir aufgefallen, und die gehören in eine ehrliche Einschätzung.
Die Musik war mir einen Tick zu laut. Das lag allerdings auch an meiner Sitzposition, ein paar Meter weiter dürfte das schon anders wirken. Kein Drama, aber der einzige Punkt, der mich beim Essen leicht gestört hat.
Kartenzahlung ist noch nicht möglich. Ich kenne aus der Gastro selbst, dass es bei einer Neueröffnung an dieser Stelle mal hakt. Trotzdem muss da zeitnah Abhilfe her, gerne auch mit ein paar modernen Varianten. 2026 ist Bargeld als einzige Option für viele Gäste einfach ein Ausschlusskriterium.
Und die Getränkekarte ist solide. Wirklich solide. Aber eben ohne Ausreißer nach oben. Ich hätte mich über den einen oder anderen Cocktailklassiker gefreut, gerne auch in einer Greek Style Variante, und über mehr alkoholfreie Optionen wie ein Radler 0,0. Das sind meine ganz persönlichen Befindlichkeiten, für die meisten Gäste ist definitiv etwas dabei.
Fazit
Das Akropolis hat aus einem Haus, an dem viele Eichsfelder Erinnerungen hängen, etwas Eigenes gemacht, ohne den Charakter des Standorts zu verlieren. Freundlicher Service, ordentliche Portionen, ein Ambiente, das seine Rolle mit Überzeugung spielt, und eine Küche, die trifft. Die offenen Baustellen sind allesamt lösbar und typisch für die ersten Wochen.
Von uns gibt es eine klare Empfehlung, einfach mal selbst hinzufahren und sich ein Bild zu machen. Ich komme wieder, dann abends und mit mehr Zeit.
Akropolis Hotel Restaurant
Teistunger Straße 43, 37115 Duderstadt OT Gerblingerode
Telefon: 0177 136 26 91
Hotel & Restaurant Akropolis Duderstadt
Öffnungszeiten
Dienstag bis Donnerstag und Sonntag: 11.30 bis 14.30 Uhr und 17.00 bis 22.00 Uhr
Freitag, Samstag und Feiertage: 11.30 bis 14.30 Uhr und 17.00 bis 23.00 Uhr
Montag Ruhetag, außer an Feiertagen


Mit dem Blick fürs Eichsfeld
Dario