Zwischen Flutlicht und Floor: Wie der Sportverein in Bernterode das Hell Dunkel Open Air stemmt
Ein Sportverein, der Techno bookt. Ein Vereinsgelände, das zum Floor wird. Ein Sternenzelt, das seit 2019 jedes Jahr wieder seinen Platz bekommt. Das Hell Dunkel Open Air in Bernterode ist eins der wenigen Events im Eichsfeld, die noch auf zwei Floors parallel Musik spielen. Und gleichzeitig eins der wenigen, die in den letzten Jahren gewachsen sind, statt zu schrumpfen.
Was vor sechs Jahren mit einem Sternenzelt, ein paar Paletten und einer privaten Soundanlage angefangen hat, ist heute ein Day und Night Festival mit eigener Handschrift. Sonnenuntergang am House Floor, Techno im Zelt, Deko, die jedes Jahr nachlegt. Kein riesiges Booking, kein Mega Sponsor, sondern Vereinsleben, das sich Stück für Stück seinen Platz gebaut hat.
Wir haben mit Daniel vom Sportverein gesprochen. Über Anfänge, Anspruch, was sich dieses Jahr ändert, und über die simple Wahrheit, dass am Ende alles steht und fällt mit den Leuten, die kommen.
Wer steckt eigentlich hinter dem Hell Dunkel Open Air?
Hinter dem Event steckt keine große Eventagentur, sondern echte Vereinsliebe aus dem Ort. Die Fußballabteilung organisiert das Open Air mit Herzblut und jeder Menge Teamgeist. Was auf den zwei Floors nach Party aussieht, ist hinter den Kulissen vor allem eins: Gemeinschaft. Vom Bierwagen bis zum Bühnenaufbau, vom Einlass bis zum letzten Kabel. Unzählige Helferinnen und Helfer aus dem Verein, dem Dorf und dem Umfeld ziehen gemeinsam an einem Strang. Am Ende sind es nicht nur ein paar Köpfe, sondern ein riesiges Team aus Unterstützern, Freunden, Familien und Ehrenamtlichen, die das überhaupt möglich machen. Genau das macht das Event aus: kreative Arbeit, Zusammenhalt, und ein Wochenende, das von der Region für die Region entsteht.
Woher kommt der Name Hell Dunkel?
Hell Dunkel steht für den Übergang vom Dayrave zur Nacht. Tagsüber Open Air Vibes, Sonne und treibende Beats. Später Nebel, Laser und intensive Sounds. Vom Hellen ins Dunkel. Vom entspannten Daydance zur magischen Nacht. Eine Reise durch Licht, Sound und Stimmung, zwischen Sonnenuntergang und Strobo.
Wann war das erste Hell Dunkel und was ist davon heute noch übrig?
Das erste Hell Dunkel Event war schon 2019, damals ohne große DJ Stage, nur mit einem Sternenzelt, ein paar Paletten und einer kleinen privaten Soundanlage. Mit nur einem DJ, der bis in die Nacht elektronischen Sound aufgelegt hat. Geblieben davon ist bis heute tatsächlich das Sternenzelt, das jedes Jahr wieder seinen Platz bekommt. Und unser DJ Wege, der seit Stunde eins dabei ist, schon als das Event noch nicht unter dem Namen Hell Dunkel stattgefunden hat.
Sportverein in Bernterode und elektronische Musik. Wie ist die Idee entstanden?
Flutlicht flackert. Der Bass setzt ein. Fußball und elektronische Musik haben denselben Puls: Energie, Kreativität und Eskalation im besten Sinne. Die Idee war ein Abend zum Auspowern, Abschalten und komplett im Moment sein. Ein kompromissloses 4 gegen 4 Turnier im Käfig trifft auf treibende elektronische Beats. Schnell, roh, intensiv. Ob auf dem Platz oder vor den Boxen, es geht um Flow, Freiheit und das Ausblenden von allem drumherum. Inspiriert hat uns die elektronische Szene im Eichsfeld selbst, die in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat, dass auch hier in der Region etwas Eigenes wachsen kann, abseits der großen Städte. Daraus ist das Hell Dunkel Open Air entstanden, ein Hybrid aus Straßenfußball, Rave Kultur und Gemeinschaft.
Im Eichsfeld machen einige Veranstaltungen dicht oder schrumpfen. Wie entwickelt sich das Hell Dunkel?
Gut zu wachsen wäre eine Definitionsfrage. Die Besucherzahl wechselt jährlich, mal hat das mit dem Wetter zu tun, mal damit, was sonst in der Gegend los ist. Aber generell kann man schon sagen, dass sich das Event gut entwickelt hat.
Zwei Floors parallel, House oldschool bis Afrohouse draußen, Techno im Zelt. Warum haltet ihr daran fest?
Zwei Floors sind für uns mehr als nur zwei Musikrichtungen. Es ist dieses Gefühl, früher und gleichzeitig komplett im Jetzt zu sein. Auf dem einen Floor laufen House und Oldschool, für alle, die sich in bestimmten Tracks verlieren, Erinnerungen feiern und den besonderen Vibe von damals wieder spüren wollen. Und ein paar Meter weiter im Zelt: Techno, dunkel, treibend. Für die jungen und junggebliebenen Wilden, für Abriss und Eskalation. Klar wäre ein einzelner Floor wirtschaftlich einfacher. Aber genau diese zwei Floors parallel existieren zu lassen, macht unser Open Air aus. Jeder soll seinen Sound finden, seine Leute, seinen Moment. Und am Ende treffen sich sowieso alle wieder irgendwo zwischen Bass, Staub, Sonnenuntergang oder am Bierwagen.
Eure Deko ist mittlerweile fast ein Markenzeichen. Wie viel Arbeit steckt da drin?
Die Deko und alles drum herum macht es für uns aus. Selber waren wir auf vielen Partys und haben genau das geschätzt. Wenn man sieht, wie viel kreative Energie in ein Event gesteckt wird, zeigt es oft die Liebe zur Musik und den Anspruch, allen Gästen ein einzigartiges Gefühl bieten zu wollen. So versuchen auch wir, uns jedes Jahr was Neues einfallen zu lassen. Dazu ist uns keine Stunde und kein Handgriff zu schade. Diese Arbeit zeichnet das Team aus.
Dieses Jahr ändert sich was Größeres. Was genau?
Dieses Jahr gehen wir zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit Steinbach Eventtechnik. Wir planen größere und individuellere Stages. Wir wollten wieder neue Ideen, neue Technik und Sounds einfließen lassen und sind gespannt, wie das bei unseren Gästen ankommen wird.
Wofür werden eigentlich die Einnahmen verwendet?
Das Hell Dunkel ist kein Selbstzweck und auch keine Cashcow für irgendwen. Was am Ende des Wochenendes übrig bleibt, fließt zurück in den Verein, in den Sport und vor allem in die Jugendarbeit im Ort. Trainingsmaterial, Fahrten, Nachwuchsförderung, all das, was einen Dorfverein am Leben hält. Wer zu uns kommt und ein Ticket kauft, finanziert also nicht irgendeinen Veranstalter, sondern unterstützt direkt die Strukturen vor Ort. Das ist uns wichtig und das macht für uns auch den Unterschied zu kommerziellen Festivals aus.
Sonnenuntergang am Floor, humane Eintritts und Getränkepreise. Wie geht die Rechnung am Ende auf?
Am Ende kann es nur funktionieren, sofern es die Unterstützung von außen gibt. Also Menschen, die bewusst das Hell Dunkel besuchen und Spaß haben. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es funktioniert. Und am Ende wird sich zeigen, ob die viele Arbeit und Energie dazu beiträgt, dass dieses Event auch die nächsten Jahre Fortbestand hat.
Unser Take
Das Hell Dunkel ist für uns eins der Events im Eichsfeld, an dem man sieht, was passieren kann, wenn ein Verein nicht nur sein Klassisches macht, sondern den Mut hat, was Eigenes auf die Beine zu stellen. Zwei Floors, eigene Bildsprache, ein Team, das Jahr für Jahr nachlegt, und ein Modell, bei dem das Geld am Ende wieder im Dorf landet. Das funktioniert nur, solange die Leute mitziehen. Wir drücken die Daumen, dass das auch dieses Jahr aufgeht.
Mit dem Blick fürs Eichsfeld
Fotos by Maurice Danner Fotografie https://mauriced-foto.de/
